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Gnitzen (Bartmücken)

Gnitzen sind winzige Mücken, deren Stiche oft stärker jucken als Mückenstiche. Wie du dich, dein Pferd und deine Weidetiere schützt, zeigt dir die Schnellwahl weiter unten.

Ratgeber Gnitzen

Gnitzen: erkennen und vor Stichen schützen

Gnitzen, auch Bartmücken genannt, sind nur 1 bis 3 Millimeter groß, ihre Stiche jucken aber oft stärker als Mückenstiche. Sie fliegen vor allem in der Dämmerung bei Windstille und feuchtem Wetter. Weil sich ihre Larven in feuchter Erde, Mooren und Kompost entwickeln, lassen sie sich kaum bekämpfen. Es kommt deshalb vor allem auf Schutz an. Hier findest du die Schnellwahl, alle Methoden im Vergleich, den Unterschied zu Stech- und Kriebelmücken und einen 5-Schritte-Plan.

Zum Mücken-Ratgeber →

Schnellwahl: Was ist deine Situation?

Abends auf Terrasse oder Balkon stechen dich winzige Mücken

Dämmerung meiden, Haut bedecken, für Wind sorgen

Gnitzen stechen am liebsten an Kleidungsrändern wie Nacken, Handgelenken und Knöcheln und kriechen sogar unter Ärmel und Hosenbeine. Helle, lange Kleidung mit engen Bündchen hilft, ebenso ein Ventilator auf der Terrasse, denn schon leichter Wind hält Gnitzen fern. Ein Insektenabwehrmittel schützt nur, wenn Gnitzen auf dem Etikett genannt sind.

Gnitzen kommen abends durchs offene Fenster

Fenster in der Dämmerung schließen

Gnitzen passen durch viele übliche Fliegengitter. Halte Fenster und Türen in der Dämmerung geschlossen oder nutze besonders feinmaschige Gitter. Licht lockt sie an: Mach abends erst Licht, wenn die Fenster zu sind.

Im Garten gibt es Kompost, einen Teich oder feuchte Stellen

Brutplätze im eigenen Garten verringern

Gnitzen legen ihre Eier an faulende Pflanzenteile, in feuchte Erde und an Ufer, besonders gern in offene Komposthaufen. Ein geschlossener Thermokomposter und weniger Staunässe verringern die Brutplätze. Gegen Gnitzen aus Mooren, Wiesen und Wäldern der Umgebung hilft das allerdings nicht.

Dein Pferd scheuert sich im Sommer Mähne und Schweif wund

Sommerekzem: Tierarzt und Ekzemerdecke

Viele Pferde reagieren allergisch auf Gnitzenstiche, das sogenannte Sommerekzem. Hol dein Pferd in der Dämmerung in den Stall oder schütze es mit einer feinmaschigen Ekzemerdecke und lass die Beschwerden tierärztlich abklären. Insektenschutz für Pferde findest du unter Pferde, achte dort darauf, gegen welche Insekten ein Mittel ausgelobt ist.

Du hältst Schafe, Ziegen oder Rinder

Blauzungenkrankheit: Impfung mit der Tierarztpraxis klären

Gnitzen übertragen die Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus auf Wiederkäuer, beide sind in Deutschland aufgetreten. Ob und wann du impfst, besprichst du mit deiner Tierarztpraxis. Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Du bist dir nicht sicher, ob es Gnitzen sind

Größe, Flügel und Tageszeit verraten es

Gnitzen sind kaum größer als ein Stecknadelkopf, haben gefleckte Flügel, die in Ruhe flach übereinanderliegen, und stechen vor allem abends. Stechmücken sind deutlich größer und summen hörbar, Kriebelmücken sind gedrungen und dunkel und stechen tagsüber. Mehr zu Stechmücken findest du unter Mücken.

Alle Methoden im Vergleich

Großflächig bekämpfen lassen sich Gnitzen nicht. Mit diesen Maßnahmen bekommst du trotzdem deutlich weniger Stiche ab.

MethodeSo wirkt esWann sinnvollDarauf achten
Dämmerung meiden, passende Kleidung Weniger Gelegenheit zum Stechen, ganz ohne Mittel. Abends von Frühjahr bis Herbst, in der Nähe von Wasser, Wiesen und Wald Lange, helle Kleidung mit engen Bündchen tragen. Gnitzen fliegen bevorzugt dunkle Farben an und kriechen unter Kleidungsränder.
Wind und Ventilator Gnitzen sind schwache Flieger und fliegen kaum, sobald Wind weht. Terrasse, Balkon, Stall Schon eine leichte Brise oder ein Ventilator hält sie fern. Am aktivsten sind sie bei Windstille und schwülwarmem Wetter.
Fenster schließen, feinmaschige Gitter Hält Gnitzen aus Wohn- und Schlafräumen fern. Wohnungen und Häuser in der Nähe von Mooren, Wiesen und Gewässern Viele Fliegengitter sind für Gnitzen zu grobmaschig. Abends erst Licht machen, wenn die Fenster geschlossen sind.
Insektenabwehrmittel (Repellent) Ein Wirkstoff auf der Haut hält stechende Insekten für einige Zeit fern. Aufenthalte draußen in Gegenden mit vielen Gnitzen Nur Mittel verwenden, auf deren Etikett Gnitzen genannt sind, und nach Herstellerangabe erneut auftragen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Brutplätze im Garten verringern Weniger Larven in feuchter Erde und Kompost. Gärten mit Kompost, Teich oder Staunässe Kompost in einem geschlossenen Thermokomposter. Hilft nur gegen Gnitzen aus dem eigenen Garten, nicht gegen zufliegende aus der Umgebung.
UV-Lichtfalle UV-Licht lockt Gnitzen an. In Gebäuden und Ställen Kann in Innenräumen einen gewissen Schutz bieten. Im Freien verringert sie die Zahl der Gnitzen nicht spürbar.
Insektizide im Garten Sollen Gnitzen großflächig töten. Nicht empfohlen Die Larven entwickeln sich an zu vielen feuchten Stellen in der Umgebung. Eine großflächige Bekämpfung ist nicht möglich.

So leben Gnitzen

Windstiller Sommerabend am Rand eines Gartens mit Teich, Feuchtwiese und offenem Komposthaufen, darüber ein Schwarm winziger Gnitzen im Gegenlicht
Windstiller Sommerabend am Rand eines Gartens mit Teich, Feuchtwiese und offenem Komposthaufen, darüber ein Schwarm winziger Gnitzen im Gegenlicht

Gnitzen sind eine eigene Mückenfamilie. Ihre Lebensweise erklärt, warum Schutz mehr bringt als Bekämpfung.

  • Nur die Weibchen stechen: Die Weibchen brauchen Blut für ihre Eier und stechen Menschen, Pferde, Rinder und andere Tiere. Die Männchen saugen Nektar.
  • Aktiv in der Dämmerung: Am aktivsten sind Gnitzen an schwülwarmen, windstillen Abenden. Schon ab etwa 7 °C können sie unterwegs sein, solange kaum Wind weht.
  • Larven im feuchten Material: Ein Weibchen legt bis zu 200 Eier an faulende Pflanzenteile, in feuchte Erde, an Ufer, in Moore oder Komposthaufen. Dort oder im Wasser wachsen die Larven heran.
  • Heftige Stichreaktion: Obwohl Gnitzen so klein sind, reagiert die Haut oft stärker als auf Mückenstiche: Es bilden sich Quaddeln oder kleine Bläschen, danach juckt es lange.

Daraus folgt: Gegen Gnitzen schützt du dich mit der richtigen Tageszeit, Kleidung, Wind und dichten Fenstern. Eine Bekämpfung im großen Stil ist nicht möglich.

Gnitze, Stechmücke oder Kriebelmücke?

Alle drei stechen, aber zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten.

Gnitze (Culicoides) von oben mit gefleckten, übereinanderliegenden Flügeln
Gnitze (Culicoides) von oben mit gefleckten, übereinanderliegenden Flügeln

Gnitze (Bartmücke)

Culicoides, Familie Ceratopogonidae

Größe
1–3 mm
Erkennungs­merkmal
Winzig und grau, große dunkle Augen, gefleckte Flügel liegen in Ruhe flach übereinander; fliegt lautlos
Vorkommen
Feuchte Wiesen, Moore, Ufer und Kompost; Dämmerung bei Windstille

Was tun? Dämmerung meiden, Haut bedecken, für Wind sorgen, Fenster abends schließen.

Steckbrief im Lexikon →
Hausmücke (Culex pipiens) von oben
Hausmücke (Culex pipiens) von oben

Hausmücke (Stechmücke)

Culex pipiens

Größe
4–7 mm
Erkennungs­merkmal
Bräunlich, lange Beine und langer Stechrüssel; summt hörbar
Vorkommen
Regentonnen, Dachrinnen, Gullys und Pfützen; sticht in der Dämmerung und nachts

Was tun? Brutstätten leeren, Regentonne abdecken, Fliegengitter und Moskitonetz. Mehr unter Mücken.

Steckbrief im Lexikon →
Kriebelmücke (Simuliidae) von oben, gedrungen und dunkel mit kurzen Perlschnur-Fühlern und breiten, klaren Flügeln
Kriebelmücke (Simuliidae) von oben, gedrungen und dunkel mit kurzen Perlschnur-Fühlern und breiten, klaren Flügeln

Kriebelmücke

Familie Simuliidae

Größe
1,5–6 mm
Erkennungs­merkmal
Gedrungen und dunkel mit buckligem Brustabschnitt, kurzen Fühlern und breiten, glasklaren Flügeln; sticht tagsüber, der Stich blutet oft nach
Vorkommen
In der Nähe von fließenden Gewässern, dort leben die Larven

Was tun? Haut bedecken und in Bachnähe auf Schutz achten. Bei starken Schwellungen ärztlichen Rat einholen.

Steckbrief im Lexikon →

In 5 Schritten zu weniger Gnitzenstichen

  1. Schritt 1: Gnitzen erkennen

    Winzige Mücken, die lautlos in der Dämmerung an Nacken, Handgelenken und Knöcheln stechen, sind meist Gnitzen.

  2. Schritt 2: Zeiten anpassen

    An windstillen, schwülen Abenden draußen lange, helle Kleidung tragen oder die Dämmerung drinnen verbringen.

  3. Schritt 3: Haus abdichten

    Fenster und Türen in der Dämmerung schließen, feinmaschige Gitter nutzen und Licht erst bei geschlossenen Fenstern einschalten.

  4. Schritt 4: Garten prüfen

    Offenen Kompost in einen geschlossenen Thermokomposter verlegen und Staunässe beseitigen.

  5. Schritt 5: Tiere schützen

    Pferde in der Dämmerung aufstallen oder mit einer Ekzemerdecke schützen. Bei Wiederkäuern den Impfschutz gegen die Blauzungenkrankheit mit der Tierarztpraxis besprechen.

Merksätze

  • Gnitzen sind winzig, stechen aber heftig, vor allem in der Dämmerung.
  • Wind hilft: Bei einer leichten Brise fliegen Gnitzen kaum.
  • Viele Fliegengitter sind für Gnitzen zu grob.
  • Großflächig bekämpfen lassen sich Gnitzen nicht, Schutz geht vor.
  • Sommerekzem und Blauzungenkrankheit gehören in die Tierarztpraxis.

Häufige Fragen zu Gnitzen

Was sind Gnitzen?

Gnitzen (Ceratopogonidae), auch Bartmücken genannt, sind eine Familie winziger Mücken. Die wichtigste Gattung bei uns ist Culicoides mit rund 180 Arten. Sie sind 1 bis 3 Millimeter groß, haben meist gefleckte Flügel und stechen vor allem in der Dämmerung.

Wie sehen Gnitzen aus?

Gnitzen sind kaum größer als ein Stecknadelkopf, grau bis bräunlich und haben große dunkle Augen. Ihre Flügel sind meist hell und dunkel gefleckt und liegen in Ruhe flach übereinander. Mit bloßem Auge siehst du oft nur einen winzigen dunklen Punkt.

Wo kommen Gnitzen vor?

Gnitzen sind in ganz Deutschland verbreitet, in Gärten, Parks und Wäldern. Besonders viele gibt es in der Nähe von Mooren, Sümpfen, feuchten Wiesen und Gewässern. Massenauftreten kennt man zum Beispiel aus dem schottischen Hochland und den nördlichen Nadelwäldern.

Wann sind Gnitzen aktiv?

Von Frühjahr bis Herbst, vor allem in der Dämmerung an schwülwarmen, windstillen Tagen. Sie fliegen schon ab etwa 7 °C, solange kaum Wind weht. In praller Sonne und bei Wind sind sie kaum unterwegs.

Warum jucken Gnitzenstiche so stark?

Der Speichel der Gnitzen löst bei vielen Menschen eine starke Hautreaktion aus: Quaddeln oder kleine Bläschen und ein Juckreiz, der oft lange anhält. Kühlen hilft, Kratzen verschlimmert es. Bei starken Schwellungen, Atemnot oder Kreislaufbeschwerden holst du sofort ärztliche Hilfe.

Übertragen Gnitzen Krankheiten?

Für Menschen spielen Gnitzen in Deutschland vor allem als Plagegeister eine Rolle. Für Wiederkäuer sind sie wichtig: Sie übertragen die Blauzungenkrankheit, die seit 2006 immer wieder in Deutschland auftritt, und das Schmallenberg-Virus. Bei Pferden können ihre Stiche ein allergisches Sommerekzem auslösen.

Was hilft gegen Gnitzen?

Am besten schützt du dich: windstille Abende in der Dämmerung meiden, lange, helle Kleidung mit engen Bündchen tragen, Fenster abends geschlossen halten und auf der Terrasse einen Ventilator nutzen. Ein Insektenabwehrmittel hilft, wenn Gnitzen auf dem Etikett genannt sind. Großflächig bekämpfen lassen sich Gnitzen nicht, weil sich ihre Larven an zu vielen feuchten Stellen entwickeln.

Halten Fliegengitter Gnitzen ab?

Viele handelsübliche Fliegengitter sind für Gnitzen zu grobmaschig, die winzigen Mücken schlüpfen hindurch. Besonders feinmaschige Gitter halten sie besser ab. Am einfachsten ist es, Fenster in der Dämmerung zu schließen und erst danach Licht zu machen.

Bei starken Schwellungen, Atemnot oder Kreislaufbeschwerden nach Insektenstichen sofort ärztliche Hilfe holen.

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